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Hennickendorf im Netz
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Maria & Josef

Maria & Josef
(eigenes Bild) Maria & Josef (eigenes Bild)
PORTRÄT: Maria und Josef

Von zwei Wahl-Hennickendorfern, die das Leben auf dem Lande zu schätzen wissen

HENNICKENDORF -Als die heute fünfjährige Mia im vergangenen Jahr zu Weihnachten in der Kirche saß, wurde „Ihr Kinderlein kommet“ gesungen. Bei der Textzeile „Maria und Josef knien betend davor“, rief das Kind ganz laut in die Menge: „Die kenne ich, die wohnen in Hennickendorf.“ Über diese Episode lachen Maria Vallo Wermes und ihr Mann Josef Wermes noch heute.

Das Ehepaar wohnt seit einem Jahr in Hennickendorf. Allerdings ist das Grundstück schon seit 1993 in ihrem Besitz. „Wir waren nach der Wende auf der Suche nach einen geeigneten Hof für meine Vollblut-Araber“, erzählt Pferdeliebhaber Josef Wermes. Eigentlich hatte er mit der Gegend um Neuruppin geliebäugelt, doch dann sorgte der Geburtstag bei Freundin Beatrice von Schmidt-Pauli-Haux in Hennickendorf für die entscheidende Wendung. Sie erfuhren, dass in Hennickendorf vier Grundstücke zu haben waren und entschieden sich für eins in der Hennickendorfer Hauptstraße. Als Freunde den heruntergekommenen Hof sahen, waren sie entsetzt und sagten: „Ihr könntet es so schön haben“. Inzwischen haben sie es schön. Aber das war ein langer Weg. „Wir haben wie damals Maria und Josef fast auf Stroh geschlafen“, sagt Maria Vallo Wermes. Sie ist froh, dass ihre beiden Kinder das Abenteuer „Bauernhofausbau“ mitgemacht haben. Wobei zunächst nicht das Haus, sondern der Pferdestall ausgebaut wurde. In dieser Zeit hauste die Familie im Autodachzelt. Noch heute ist Josef Wermes skeptisch. Er glaubt nicht daran, dass der Hof in diesem Leben komplett fertig wird. Seine Frau hingegen ist Optimistin – in fast allen Lebenslagen.

Maria und Josef fahren täglich mit dem Auto von Hennickendorf nach Trebbin und weiter mit der Bahn nach Berlin. Dort ist die 59-Jährige als Internistin tätig. Ihr Mann ist freiberuflicher Historiker und arbeitet für die Ausstellung des Bundestages. Den beiden studierenden Kinder (21, 24) überließen sie die Wohnung in Berlin.

Als Maria ihren Josef zum ersten Mal sah, war es Liebe auf den ersten Blick. „Ich habe ihn 1976 auf der Silvesterparty in seiner WG kennengelernt. Damals hat er für zehn Leute gekocht und ich wusste sofort: Er ist der Richtige“, erzählt die niedergelassene Ärztin. Allerdings hat er sie zuerst vollkommen ignoriert und hatte nur Augen für ihre Freundin. Doch sie wusste schon damals, was zu tun ist. Um ihn wiederzusehen, lud sie ihn zu sich nach Osnabrück ein. Und weil sie befürchtete, dass er allein nicht kommen würde, sprach sie die Einladung für die gesamte WG aus. Mit weißen Bohnen und saurem Hering, einem typischen Gericht ihrer Heimat, setzte sie einen weiteren strategischen Schachzug. Als sie ihm dann erzählte, dass ihr zwei Studienplätze in Hamburg und in Berlin angeboten wurden und sie sich für Berlin entschieden hat, lautete sein Kommentar: „Na, hoffentlich nicht meinetwegen.“ Heute schmunzelt er darüber.

Vor einigen Jahren gab die Familie in Hennickendorf ein Konzert, zu dem mehr als 200 Gäste kamen. „Wir haben es nie bereut, dass wir hierher gezogen sind“, sagt der gebürtige Baden-Württemberger. Er würde seine Frau jederzeit wieder heiraten – dass sie Maria heißt, war nicht ausschlaggebend. „Ich hätte sie auch genommen, wenn sie Helga heißen würde“, sagt Josef Wermes.

Sein größter Traum war es immer, einmal durch die USA zu reiten. Daraus wurde bislang nichts. Deshalb riet ihm seine Frau, dass er doch quer durch Deutschland reiten sollte. Das hat er dann auch gemacht und seine Maria, die mit 25 Jahren ihm zuliebe reiten lernte, begleitete ihn.

17 Tage waren sie unterwegs und übernachteten meist dort, wo sie auch ihre Pferde unterstellen konnten. Gleich in Frankenförde verritten sie sich, weil sie einen Einhemischen nach dem Weg fragten und der die Strecke nur als Autofahrer kannte. In Kaub am Rhein trafen sie dann mit vielen Erlebnissen ein. „Das würde ich jederzeit wiederholen“, sagt der Wahl-Hennickendorfer. Auch mit den Kindern hat das Ehepaar, das sich seit 35 Jahren kennt und seit 1987 verheiratet ist, schon Reit-Touren unternommen. Vor allem der Reitwanderweg durch den Hohen Fläming hat es ihnen angetan.

Überhaupt reisen sie sehr gern und waren schon in vielen Ländern der Erde. „Ich hatte früher schon immer Fernweh. Doch das hat sich inzwischen etwas gelegt“, sagt Maria Vallo Wermes, die vor Jahren einige Zeit als Ärztin auf Sumatra tätig war und dort die abenteuerlichsten Krankheitsbilder kennengelernt hat. „Die Patienten waren in Baracken untergebracht. Ihre Angehörigen haben draußen campiert und auch gekocht, um die Kranken zu versorgen.“

Für sie ist ihr Beruf auch ihr Hobby. Sie nimmt oft an Weiterbildungen teil und befasst sich auch mit Alternativ-Medizin. Allerdings gibt es auch Tage, an denen ihr Beruf schwer wird – wenn sie Patienten schlimme Diagnosen mitteilen muss. Dann freut sie sich darauf, nach Feierabend ins beschauliche Hennickendorf zu fahren, wo Josef auf sie wartet.

Von Margrit Hahn (MAZ vom 23.12.2011)


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